
„Quo vadis deutsches Fernsehen?“ Diese Frage diskutierte Moderator Dieter Kassel am 26. Januar 2008 in der Sendung „Radiofeuilleton“ von Deutschlandradio Kultur mit Oliver Kalkofe und dem Medienjournalisten Bernd Gäbler. Hörerinnen und Hörer konnen sich telefonisch beteiligen.
Nichts ist eklig genug für das „Dschungelcamp“, die Reality-Show von RTL. Regelmäßig schalten um die 4,5 Millionen Zuschauer ein, denn: „Man kann zuschauen, ohne dass einem selbst etwas passiert“, analysiert der Medienexperte Bernd Gäbler. Dabei gehe es in erster Linie um knallharte Ökonomie: „Rund um die Sendungen kann man drei bis vier Stunden Programm machen: Da werden Psychologen befragt, Menschen auf der Straße … Das ist billiges Programm.“
Oliver Kalkofe ergänzt: „Die öffentlich-rechtlichen Sender kommen ihrem Auftrag nicht nach, der billigen Abzocke der Privaten innovativ gegenzusteuern.“ Und Kalkofe kann das ständige Schielen auf den Fetisch Quote nicht mehr ertragen. „Es gibt die Quote nicht, aber alles wird damit begründet. So wird schlechtes Fernsehen gemacht und der Zuschauer wird nicht ernst genommen: Ernste Serien ballern sie mit Werbebannern voll oder lassen lustige Dinosaurier durchs Bild laufen, um für Klingeltöne zu werben – und im Hintergrund wird der Tod eines Kindes überbracht.“ Kalkofes Konsequenz: „Ich liebe das Fernsehen, aber ich schalte es nicht mehr ein.“
Der Mitschnitt der Sendung kann im Internetangebot von Deutschlandradio Kultur als Podcast gehört und heruntergeladen werden.

Oliver Kalkofes Rede auf dem Podium der Münchener Medientage am 14. November 2007. Hier der 33minütige Mitschnitt – ungekürzt und mit allen Publikumsreaktionen, denn er wurde im Publikum mitgeschnitten, daher die etwas „dosige“ Tonqualität (hier klicken für den offiziellen Mitschnitt, bessere Qualität, aber keine Publikumsreaktionen):
München, 09.11.23007 – Das Fernsehen in Deutschland sei heute eine Beleidigung für’s Publikum, provozierte der Comedian Oliver Kalkofe TV-Produzenten und Senderverantwortliche zum Auftakt einer Programmdiskussion während der 21. Medientage München.
„Das deutsche Fernsehen steckt momentan in seiner größten Krise“, stellte Oliver Kalkofe in seiner unterhaltsamen Analyse der deutschen TV-Unterhaltung fest. „Es weiß nicht mehr, für wen es Programm macht und warum. Und das, obwohl es noch nie so viele Möglichkeiten gab wie heute.“ Kalkofe sparte nicht mit drastischen Formulierungen, sprach von „gesendetem Vakuum“, „gemordeter Lebenszeit“ und „Programmersatzstoffen“. Moderatoren und Schauspieler seien vielfach „schlecht ausgebildete Schnürsenkelverkäufer“ oder „talentresistente Laiendarsteller“. Eigenproduktionen der Sender wie Telenovelas nannte er “Geschichten, die das Leben nie schreiben würde, weil es ihm peinlich wäre“. Er forderte die Fernsehmacher auf, „nicht mehr das Gehirn der Kollegen aus dem Ausland auf den Kopierer zu legen“. Sein Fazit aus Sicht des Publikums: „Wer es sich leisten kann, schaltet nicht mehr ein.“
Auch die überzeugung vieler Fernsehschaffenden, das Publikum wolle das so, attackierte der TV-Comedian heftig. „Das Publikum weiß doch gar nicht, was es will. Deshalb ist es auch Zuschauer und nicht Macher.“ Schuld an der „kreativen Querschnittslähmung“, so Kalkofe, sei unter anderem der Glaube der Macher an die Quote, bei der es sich ja ohnehin nur um einen Schätzwert handle: „Die, die immer einschalten, weil sie keine Alternative haben, dürfen nicht die Messgrundlage für unsere Fernsehkultur sein.“ Zum anderen mangele es den Fernsehschaffenden an Spaß bei ihrem Tun. Sie hätten Angst vor ihrer eigenen Kreativität. „Machen Sie doch endlich wieder ein Programm, das Sie selbst gern sehen wollen!“, rief er den Verantwortlichen im Auditorium zu.
