

[Text: Oliver Kalkofe, mit freundlicher Genehmigung von TV Spielfilm.]
Wenn die launische Gegenwart ins Stocken gerät und irgendwie nicht mehr so aufregend erscheint wie die inzwischen so erfolgreich schön gesoffene Vergangenheit, versucht man meist krampfhaft, letztere möglichst originalgetreu wieder auferstehen zu lassen. Also das heißt natürlich nicht ganz so wie damals, sondern viel cooler und moderner, nur billiger und schlechter. Ohne den Reiz des Neuen und mit der Überheblichkeit des vermeintlichen Besserwissens. Geht verständlicherweise meistens in die Hose, ist aber trotzdem einfacher, als sich etwas Eigenes auszudenken. Im Fernsehen passiert das immer dann, wenn die Verzweiflung richtig groß ist und man wirklich nicht mehr weiter weiß. Also in regelmäßigen Abständen. Und gerade jetzt.
Da häufen sich dann plötzlich die Meldungen über alle möglichen Murks-Formate von früher, die ungewollt und ungefragt plötzlich wieder neu aufgelegt werden sollen, weil sie angeblich ja mal so toll waren. So wie DER PREIS IST HEISS, jene hektisch überdrehte Volltüten-Parade, in der intelligenzresistente Primaten die korrekten Preise aus dem letzten Aldi-Prospekt ins Mikrofon brüllen mussten, und das Publikum dann in wilder Ekstase ausrastete, wenn Opa Furznuss eine Wagenladung Trockenpflaumen gewann, weil er wusste wie viel eine Tube Rosettenreiniger kostet. Pures Entertainment! Oder DIE 100.000 MARK SHOW, jene einstmals noch schockierend extreme Game-Show, weil die Kandidaten sich dort besonders heftig zum Affen machten mussten. Heute allerdings harmloser Kindergarten-Spaß gegen den inzwischen üblichen Standard der Selbstentblödung, und in dem versuchten RTL-Euro-Comeback gnadenlos an die Wand gefahren. Dafür bastelt man nun an der Rückkehr von VERZEIH MIR, der tränenreich-überkitschten Vergebungs-Orgie der frühen 90er, damals mit Ulla Knapp im Schritt und Zwiebel in der Bluse. Gibt ja immer noch genug, wofür man sich über den Sender entschuldigen kann, zum Beispiel gleich mal beim Publikum für das eigene Programm. RTL2 versucht es derweil mit einem Revival der HITPARADE, was allerdings kaum den antiquiert-verschnarchten Charme des ZDF-Originals versprühen wird, sondern vielmehr das stampfende Mitgröhl-Feeling vom Ballermann im Vollsuff. Ähnlich schwierig wie die frisch pilotierte Neuauflage des knuffigen Kuppelklassikers HERZBLATT, aber schlüpfrige Redakteursfragen und krampfig aufgesagte ‚Spontan’-Antworten der Kandidaten-Darsteller sind heute halt auch nix Neues mehr. Zugegeben, immer noch besser als der pissdoofe Fake-Reality-Doku-Dreck der sonst gerade läuft, aber das sollte nicht immer als Ausrede her halten.
Irgendwie fühle ich mich, als wäre ich an Bord der Enterprise in einer debilisierenden Zeit-Anomalie gefangen, in der für mich die Vergangenheit von minderbegabten Laiendarstellern in Dauerschleife nachgespielt wird, während mir die reale Zukunft allerdings so blöd erscheint, dass ich sie gar nicht wirklich erleben möchte. Beam mich hier weg, Scotty! Weiß nur nicht wohin...
Deutschland im Schock! Die Betrugsdelikte im Entertainment-Hexenkessel WETTEN DASS... werden immer unglaublicher! Jetzt soll der kauzige Gummistiefel-Schnüffler, der seine Runkel tief in die Botten steckte um zu erriechen, welche Schweißmauke darin vorher vor sich hin gemüffelt hat, doch glatt gemogelt haben! Denn ein renommierter Zinken-Experte behauptet, der menschliche Rüssel könne solch feine Schwitzstinkmerkmale gar nicht unterscheiden. Was nun? Das ZDF gibt keinen Kommentar und die Nation muss allein damit fertig werden. Hoffentlich bleibt kein Trauma zurück!
Blöde Sache! Egal wie viel peinliche Gaga-Formate für das vermeintlich grenzdebile Publikum Pro7 gerade aus dem Hintern schüttelt, nichts davon will so richtig funktionieren. Und da Beauty-Feldwebel Klum ja auch nicht rund um die Uhr neue Magersucht-Models zusammenscheißen kann, recyclet man jetzt halt die alten Laufsteg-Geräte in der ‚Top Model–WG’ und pfercht einfach ein Rudel Ex-Anwärterinnen aus den letzten Staffeln in einem Kamera-überwachten Tortenzwinger zusammen, um ihnen beim Leben in Schönheit zuzuschauen. Ganz ohne Heidi allerdings. Da puder’ ich mir doch glatt mal das Näschen vor lauter Aufregung!
Sensationelle Enthüllung! Da dachten wir jahrelang, Boris Beckers versehentlich gezeugtes Wunschkind wäre in der Wäschekammer entstanden – doch nun gestand der medienscheue Leimener in einem Interview, die pressewirksame Kurz-Kopulation hätte ganz ungeplant und nur romantische 5 Sekunden lang auf der Treppe zwischen den Toiletten stattgefunden! Wahrscheinlich kam er gerade vom Abseilen und die Hose war noch auf, da bot sich das ja quasi an. Und seine Tochter wird sich eines Tages freuen: Juhu, ich bin kein Besenkammer-Baby, ich bin ein Treppenfick! Man windet sich vor Fremdscham... vielleicht wäre Fresse halten irgendwann doch mal eine intelligente Alternative!
